Die Zeit die fehlt

Über Werte, die keinen Platz im Alltag finden

Wenn ich sage, dass ich viel Zeit mit Nachdenken verbringe, ernte ich oft Stirnrunzeln.

Als wäre Nachdenken etwas, das man sich erst leisten darf, wenn alles andere erledigt ist.

Für mich ist Zeit kein Luxus.

Sie ist der Raum, in dem Leben überhaupt erst geschieht.

Zeit, um einander zuzuhören.

Zeit, um sich zu entwickeln.

Zeit, um ehrlich mit sich selbst zu sein.

Und doch scheint genau dafür immer weniger Platz zu sein.

Alles will organisiert, geplant und gemanagt werden.

Arbeiten, funktionieren, erreichbar sein.

Freundschaften pflegen, Familie sehen, sich erholen

oft fühlt sich selbst das wie eine weitere Aufgabe an.

Manchmal frage ich mich, ob es möglich ist, in diesem System zu bestehen, ohne sich selbst zu verlieren.

Finanziell zu überleben und gleichzeitig den eigenen Werten treu zu bleiben.

Ob es einen Weg gibt, der nicht härter macht, sondern weicher.

Ich spreche nicht von Reichtum in Form von Geld.

Ich spreche von Erlebnissen, Erfahrungen und dem für mich größten Reichtum:

Zeit.

Zeit, um andere Kulturen kennenzulernen.

Zeit, um zu lernen, zuzuhören, zu verstehen.

Zeit, um Menschen zu zeigen, dass es egal, was geschehen ist immer eine Möglichkeit gibt zu heilen und das Leben wieder mit etwas Farbe zu betrachten.

Vielleicht geht es im Leben nicht darum, immer mehr zu besitzen.

Vielleicht geht es darum, wieder zu spüren, was uns wirklich nährt.

Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir uns erlauben, diese Fragen nicht sofort beantworten zu müssen.

Zurück
Zurück

Der neblige Morgen

Weiter
Weiter

Der Junge aus Hamburg