Der Boden

Man sieht ihn selten.

Nicht wirklich.

Man sieht,
was auf ihm wächst,
was sich zeigt,
was sichtbar geworden ist.

Doch der Boden selbst
bleibt meist verborgen.

Und doch entscheidet er.

Ob etwas trägt,
ob etwas versickert,
ob etwas Wurzeln findet
oder keinen Halt.

Manche Böden sind weich,
aufnehmend,
bereit zu tragen.

Andere sind fest geworden,
verdichtet
von dem,
was über sie gegangen ist.

Von Zeiten,
in denen zu viel kam
oder zu wenig.

Manche haben gelernt,
Wasser schnell weiterzugeben,
nichts zu halten.

Andere halten fest,
mehr als ihnen guttut.

Und oft wissen wir nicht,
wie unser eigener Boden ist.

Wir spüren nur,
was darauf geschieht.

Dass etwas uns berührt
und bleibt
oder eben nicht.

Dass wir offen sind
oder uns zurückziehen,
ohne genau zu wissen, warum.

Vielleicht geht es nicht nur darum,
anders zu reagieren.

Sondern den Boden zu verstehen,
auf dem unsere Reaktionen entstehen.

Zu merken,
wann er trocken ist,
wann er erschöpft ist,
wann er bereit wäre,
wieder etwas wachsen zu lassen.

Denn nicht jeder Same
braucht einen anderen Samen.

Manchmal
braucht es einen anderen Boden.

Und vielleicht beginnt Veränderung
nicht dort,
wo wir versuchen, anders zu sein,

sondern dort,
wo wir beginnen,
den Boden in uns
wieder zu spüren.