Nicht mein Problem?

Nicht mein Problem?

Über Selbstfürsorge, die nicht wegschaut

Manchmal lese ich über Selbstfürsorge und spüre einen leisen Widerstand in mir.

Als wäre sie etwas Leichtes.

Ein Zurücklehnen.

Ein Abwenden.

Und ich frage mich, ob wir vom Gleichen sprechen.

Für mich bedeutet Selbstfürsorge, hinzuschauen.

Mich ernst zu nehmen körperlich, seelisch, gedanklich.

Mich zu entwickeln, auch dort, wo es unbequem wird.

Denn zu mir gehören nicht nur die Dinge, die mir guttun, sondern auch jene, die mich fordern.

So ist das Leben.

Und so bin ich.

Ich glaube, Selbstfürsorge hat mit Zeit zu tun.

Mit dem Mut, still zu werden.

Mich selbst zu befragen.

Nicht wegzulaufen, wenn etwas in mir oder zwischen uns schmerzt.

Doch oft wird heute genau das Gegenteil darunter verstanden.

Wegschauen.

Abgrenzen.

Sich freimachen von allem, was schwer wird.

Not my problem.

Jemand schrieb einmal, wir seien erschöpft, weil wir uns um Dinge kümmern, die uns nichts angehen.

Und ich merke:

Ich kann das nicht glauben.

Denn wenn wir aufhören, uns zu kümmern wann hören wir dann auf, miteinander zu sein?

Wenn wir alles fallen lassen, sobald es unbequem wird, was bleibt dann von Nähe, von Gemeinschaft, von Verantwortung?

Ich weiß nicht, was im Inneren eines anderen Menschen vorgeht.

Ich kenne seine Gedanken nicht, seine Ängste nicht, seine Geschichte nicht.

Das gehört ihm allein.

Aber was mit dieser Welt geschieht, mit unserer Heimat, mit den Menschen neben mir bleibt nicht draußen.

Ich sehe, wie schnell wir urteilen.

Über Kleidung.

Über Entscheidungen.

Über Veränderungen.

Und wie selbstverständlich wir erwarten, dass andere so denken wie wir.

Dabei sind Meinungen nichts als Spuren unserer Wege.

Geformt aus Herkunft, Erfahrungen, Erlebtem.

Warum fällt es uns so schwer, das Anderssein einfach stehen zu lassen?

Warum müssen wir überzeugen, wo vielleicht Verstehen genügen würde?

Ich habe mir angewöhnt, „Danke für deine Meinung“ zu sagen.

Nicht, weil ich sie übernehmen muss.

Sondern weil mich mein Gegenüber interessiert.

Weil jeder Mensch mehr ist als das, was er gerade sagt.

Zuhören bedeutet nicht, sich selbst zu verlieren.

Mitgefühl heißt nicht, alles zu tragen.

Und Selbstfürsorge ist für mich nicht das Abwenden von der Welt.

Vielleicht ist sie genau das Gegenteil.

Die Entscheidung, weich zu bleiben.

Verbunden.

Und trotzdem bei mir.

Not My Problem?

On self-care that doesn’t look away

Sometimes I read about self-care and feel a quiet resistance rise in me.

As if it were something light.

A stepping back.

A turning away.

And I begin to wonder whether we are talking about the same thing.

For me, self-care means looking closer.

Taking myself seriously – body, mind, and soul.

Allowing myself to grow, even where it feels uncomfortable.

Because I am not made only of what feels good, but also of what challenges me.

That is life.

And that is me.

I believe self-care has something to do with time.

With the courage to become still.

To question myself.

Not to run when something hurts – within me, or between us.

Yet so often today, self-care seems to mean the opposite.

Looking away.

Drawing lines.

Freeing oneself from anything that feels heavy.

Not my problem.

Someone once wrote that we are exhausted because we care about things that are not our responsibility.

And I notice: I cannot believe that.

Because if we stop caring – when do we stop being human together?

If we discard everything the moment it becomes uncomfortable, what remains of closeness, of community, of responsibility?

I do not know what goes on inside another person.

I do not know their thoughts, their fears, their story.

That belongs to them alone.

But what happens to this world, to our shared ground, to the people beside me – does not stay outside of me.

I see how quickly we judge.

Clothing.

Choices.

Changes.

And how naturally we expect others to think the way we do.

Yet opinions are nothing more than traces of the paths we have walked.

Shaped by origin, experience, memory.

Why is it so hard to simply let difference be?

Why do we try to convince, where understanding might be enough?

I have learned to say, “Thank you for sharing your perspective.”

Not because I must adopt it.

But because I am interested in the person before me.

Because every human being is more than what they express in a moment.

Listening does not mean losing oneself.

Compassion does not mean carrying everything.

And self-care, for me, is not turning away from the world.

Perhaps it is the opposite.

The decision to remain soft.

Connected.

And still myself.


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