Die Haltung

Man erkennt sie nicht sofort.

Nicht wie einen Weg,
der sichtbar vor einem liegt.

Eher wie die Art,
wie ein Baum gewachsen ist.

Man sieht den Stamm,
die Richtung der Äste,
wie er sich neigt
oder aufrichtet.

Und doch erzählt das alles
von etwas,
das tiefer liegt.

Vom Boden,
in dem er steht.
Vom Wind,
dem er begegnet ist.


Vom Licht,
das er gesucht hat.

Kein Baum entscheidet bewusst,
wie er wächst.

Und doch entsteht mit der Zeit
eine Form,
die bleibt.

So ist es auch mit uns.

Wir begegnen dem Leben
nicht leer.

Sondern aus einer Haltung heraus,
die sich gebildet hat.

Aus Erfahrungen.


Aus Momenten,
in denen wir uns öffnen konnten
oder schliessen mussten.

Manche wachsen gerade,
weit,
offen.

Andere tragen Kurven,
sind vorsichtiger geworden
und haben gelernt, sich zu schützen.

Und nichts davon ist falsch.

Es ist gewachsen.

Doch anders als ein Baum
können wir innehalten.

Spüren,
wie wir uns neigen.

Wohin wir uns ausrichten.
Was uns festhält
und was uns bewegt.

Vielleicht geht es nicht darum,
eine bestimmte Haltung einzunehmen.

Sondern zu erkennen,
aus welcher heraus
wir gerade leben.

Und ob sie uns noch trägt.

Denn auch wenn wir gewachsen sind,
heisst das nicht,
dass wir so bleiben müssen.

Manches darf sich neu ausrichten.

Langsam.


Still.

Wie ein Zweig,
der beginnt,
wieder ins Licht zu wachsen.

Und vielleicht
beginnt Veränderung
nicht dort,
wo wir anders werden wollen

sondern dort,
wo wir beginnen,
uns selbst
wieder zu spüren.